45er - 100 Kilometer Gardasee - 6 Beaufort - zwei Meter Welle - und mittendrin Crews, die immer noch nicht genug hatten.
Ja, wir haben es wieder getan. Zum dritten Mal machten sich die 45er auf den Weg zur Centomiglia an den Gardasee. Und seit diesem Jahr gibt es sogar einen zusätzlichen Grund: Die Cento zählt zur Starnbergersee Wertung.
2025 waren fünf 45er dabei. Für 2026 hatten sich ursprünglich drei Crews vorgenommen, den Gardasee unsicher zu machen. Am Ende blieben mit 6.Q und Papillon immerhin zwei übrig. Die URANOS musste kurzfristig wegen Personalschwunds passen.
Also: zwei 45er gegen mehr als 100 Boote, rund 25 Seemeilen pro Tag und somit 100 Kilometer Gardasee an einem Wochenende. Was soll da schon schiefgehen?
Donnerstag & Freitag – Dolce Vita und die Ruhe vor dem Sturm
Dieses Jahr wollten wir es etwas entspannter angehen als 2025. Nach dem kleinen Sturmtrauma vom Vorjahr – gebrochenem Ruder in 2024 – reisten wir bereits am Donnerstag an.
PAPILLON wurde in der Marina Bogliaco geparkt und Quartier in Gargnano bezogen.
Freitag zeigte sich der Gardasee von seiner besten Seite: Sonne, angenehme Temperaturen, Wind, inklusieve einem kurzen Trimmschlag zum Technikcheck.
Während wir bei PAPILLON noch darüber diskutierten, ob der zweite Espresso wirklich schon notwendig sei, wurde bei 6.Q offenbar bereits für einen Sieg trainiert.
Aber genau dafür fährt man ja an den Gardasee. Denn wer glaubt, die Centomiglia bestehe nur aus Segeln, hat das Prinzip Italien nicht verstanden.
Gutes Essen. Ein kühles Bier. Ein „bisschen Segeln“. Noch besseres Essen.
Optimale Regattavorbereitung.
Am nächsten Morgen war es allerdings vorbei mit Dolce Vita.
7:00 Uhr Frühstück.
8:30 Uhr Start.
Samstag – Der Wind, der einfach nicht kam
Der Vento (Nordwind) war offenbar noch nicht ausgeschlafen.
Am Start gab es eigentlich alles: kabbelige Welle, über 100 Boote, Geschrei wie bei Pavianen und Schiffe kreuz und quer.
Nur eines fehlte: ausreichend Wind.
Wer das Chaos früh genug durchschaute und unter Land den letzten Hauch Wind erwischte, war plötzlich vorne. 6.Q gehörte dazu.
Während wir mit PAPILLON noch irgendwo zwischen „gleich geht’s los“ und „warum fahren wir eigentlich rückwärts?“ unterwegs waren, kam uns 6.Q bereits vom kurzen Nordabstecher wieder entgegen.
Nach rund 30 Minuten und gerade einmal ein bis zwei Windstärken hatten wir den Nordverholer dann auch passiert.
Jetzt sollte der Rest-Vento uns unter Spi Richtung Süden bringen.
Theoretisch.
Praktisch lagen wir zu diesem Zeitpunkt bereits rund 60 Minuten hinter 6.Q. Von einem 45er-Duell konnte also keine Rede mehr sein.
Jetzt begann der Teil einer Flautenlangstreckenregatta mit Zeitlimit, den Segler besonders lieben: Rechnen.
- Noch etwa 20 Seemeilen bis ins Ziel.
- Noch sechs Stunden Zeit.
- Dafür brauchten wir drei bis vier Knoten Durchschnitt.
- Hatten wir die?
- Nein.
Aber Segler sind Optimisten. Zumindest bis zum nächsten Blick auf die Uhr.
- Also wieder rechnen
- Wind suchen
- Wind finden
- Wind verlieren
- auf die Ora (Südwind) hoffen
- keine Ora
- wieder rechnen
- und wieder von vorne.
Gegen 14 Uhr war die Mathematik dann endgültig stärker als unser Optimismus.
Wir waren immer noch auf dem Weg nach Süden und hatten gerade einmal etwa ein Viertel der Strecke geschafft.
DNF - was für ein Ergebnis. Aber wenn schon abbrechen, dann wenigstens mit Stil. Als 6.Q nach unserer Entscheidung auf unserer Höhe in Richtung Ziel vorbeikam, entstand kurzerhand eine neue Regatta:
Wer ist zuerst wieder in Bogliaco?
6.Q setzte auf unsere Strategie vom Vorjahr und zog mit dem Großteil des Feldes über die Seemitte in Richtung Ostufer. Wir probierten diesmal das Westufer. Eine Stunde lang sah es tatsächlich so aus, als hätten wir die geniale Lösung gefunden. Eine Stunde später war klar:
Die Seemitte und das Ostufer hatten eine erfolgreichere Meinung.
Also: Wir Faxen dicke - Motor an - Schleichfahrt war angesagt. Schließlich wollten wir nach dem Wind nicht auch noch den Akku verlieren. Am Ende liefen beide 45er ziemlich zeitgleich wieder in Bogliaco ein.
6.Q: Platz 12 und sauber gesegelt. PAPILLON: DNF – und mit E-Motor.
Man könnte sagen: unterschiedliche Rennstrategien.
Mit diesem Dämpfer und der Erkenntnis, dass wir zukünftig den See noch besser lesen müssen, ging es zum Abendessen. Ein sehr gutes Abendessen übrigens. Denn wenn man schon patzt, dann wenigstens mit einer ordentlichen Pasta im Bauch.
Samstag abgehakt.





