Zwei Klassiker, zwei Vereine, zweimal Segeln mit Kultstatus
Es gibt Regatten, bei denen zählt vor allem die Platzierung. Und es gibt Regatten, auf die freut man sich schon Monate vorher. Goldpokal und Vidi gehören zweifellos zur zweiten Kategorie.
Warum eigentlich? Vielleicht, weil beide Veranstaltungen ein bisschen anders sind.
Beide zählen “nur” halb in der Jahreswertung – segeln will sie von den 45er trotzdem jeder. Gesegelt wird nach Yardstick, wodurch sich Racer, Langkieler, Rennjollen und liebevoll restaurierte Klassiker dieselbe Startlinie teilen. Je nach Wind geht es auf den legendären roten oder grünen Langstreckenkurs, beim Goldpokal sind es sogar bis zu drei Wettfahrten. Der Vidi setzt dagegen auf sein einzigartiges Känguru-Startsystem, bei dem die Schnellsten am längsten frühstücken dürfen.
Der Goldpokal wird traditionell vom Bayerischen Yacht-Club ausgerichtet, der Vidi vom Münchner Yacht-Club. Zusammen bilden sie das Herzstück der “Starnbergersee Classics”.
Und eines verbindet beide Veranstaltungen ebenfalls:
Die Regatta endet nicht im Ziel. Sie endet erst, wenn das letzte Bier ausgeschenkt und die letzte Seglergeschichte erzählt wurde.
Goldpokal BYC – 55 Klassiker auf einer Startlinie
Neun 45er trafen beim Goldpokal auf insgesamt 55 klassische Holz Yachten. Schon am Samstagmorgen verwandelte sich der Hafen des BYC in ein schwimmendes Freilichtmuseum feinster Bootsbaukunst.
Von der pfeilschnellen Lake 35 bis zum ehrwürdigen Lugger war alles vertreten, was aus Holz schwimmen kann. Jeder Quadratmeter Hafen roch nach Lack, Leinöl, Stolz und Leidenschaft.
Pünktlich um 11 Uhr fiel der erste Startschuss. Und was für einer. 55 Klassiker setzen sich gleichzeitig in Bewegung – allein dieses Bild ist jedes Jahr die Teilnahme wert.
Die 45er erwischten durchweg einen starken Start und fanden sich zusammen mit den schnellen L-Booten sofort in der Spitzengruppe wieder. Dazwischen mischten sich immer wieder einige Rennjollen, die mit beeindruckender Geschwindigkeit über den See schossen.
Der Wind hatte allerdings beschlossen, selbst ein wenig Regatta mitzusegeln.
Böen, Dreher bis zu 45 Grad und ständig wechselnde Druckverhältnisse sorgten dafür, dass kaum ein Segel länger als ein paar Minuten in Ruhe arbeiten durfte.
- Genua raus.
- Spi hoch.
- Spi wieder runter.
- Vielleicht doch wieder Genua.
- Nein… jetzt doch wieder Spi.
Dazu Tonnenrundungen mit Gegenverkehr und jede Menge hektische Manöver mit Lee-Watschen Charakter.
Genau so stellt man sich anspruchsvolles Segeln am Starnberger See vor.
Im ersten Rennen setzte sich kein Geringerer als Philipp Hiebler mit seiner wunderschön restaurierten P33 Xanthippe durch. Ein toller Erfolg und gleichzeitig eine wunderbare Werbung dafür, wie konkurrenzfähig unsere klassischen Langkieler auch heute noch sein können.
Der Wind hielt mit 2-5 Windstärken erstaunlich konstant durch und Wettfahrtleiter sowie Crew nutzten die Gelegenheit konsequent aus.
Also gleich weiter. In der zweiten Wettfahrt schlug dann die Stunde von Markus “Burle” Glas und seiner P241.
Und auch das dritte Rennen entwickelte sich erneut zum hochklassigen 45er-Schlagabtausch, den Burle schließlich ebenfalls für sich entscheiden konnte.
Leider endete der starke Auftritt der P33 vorzeitig. Nach dem beeindruckenden Sieg im ersten Rennen zwang ein Mastbruch das Team zur Aufgabe. Schade – gerade weil Xanthippe an diesem Tag eindrucksvoll gezeigt hatte, was in ihr steckt.



