Karl Gutmann-Regatta des KYC

am 29. und 30. August 2026 im Yacht Club Konstanz

Drei Wochen Regattasegeln am westlichen Bodensee möglich – und ein unfreiwilliges Bad

Bei der Regattaplanung für den Bodensee 2026 hatte man sich etwas Besonderes ausgedacht: Mehrere Regattawochenenden hintereinander – zunächst im Osten, dann im Westen des Sees. Die Idee dahinter war durchaus bestechend: Die 45er-Segler aus dem westlichen Teil des Sees – beispielsweise aus Bodman, Überlingen, Konstanz oder Kreuzlingen – sollten motiviert werden, auch einmal in Richtung Lindau oder Hard zu segeln. Und umgekehrt natürlich genauso.

Denn bei zwei oder drei Regatten hintereinander lohnt sich die Anreise von rund vier Stunden schon eher. Und falls am ersten Wochenende der Wind beschließt, lieber Urlaub zu machen, besteht immerhin die Hoffnung, dass er am darauffolgenden Wochenende wieder auftaucht.

Leider hielt sich die Begeisterung der 45er-Flotte für dieses ausgeklügelte Konzept etwas in Grenzen.

Lindau am 13. und 14. Juni musste mangels Teilnehmern komplett abgesagt werden.

Hard am 20. und 21. Juni meldeten immerhin vier Schiffe. Dank des großzügigen Entgegenkommens der Wettfahrtleitung durften sie sogar eine eigene Startgruppe bilden. Vier Schiffe – damit war man schon eine Regatta.

Nun waren die Vereine am westlichen Bodensee an der Reihe. Der Konstanzer Yachtclub (KYC) schrieb für den 29. und 30. August eine Regatta für uns aus. Ein Wochenende später stand beim Bodensee-Yachtclub Überlingen (BYCÜ) die traditionsreiche Herbstregatta II auf dem Programm, wiederum mit den 45ern. Und eine weitere Woche später sollte es in Kreuzlingen weitergehen.

Eigentlich ein Traumprogramm: drei Wochenenden hintereinander Regattasegeln und damit jede Menge Gelegenheit, den Bodensee unter Wettkampfbedingungen zu genießen. Auch für die 45er aus Friedrichshafen, Langenargen, Lindau, Österreich und der Schweiz wäre einiges geboten gewesen.

Wenn da nicht der Wasserstand gewesen wäre.

Der Bodensee hatte nämlich beschlossen, uns zusätzlich zur Windlotterie auch noch eine kleine hydrologische Herausforderung zu servieren. Dazu kamen die üblichen Terminüberschneidungen. Beim KYC konnten wir planmäßig melden. Beim BYCÜ musste wegen des tiefen Wasserstands sehr spät entschieden werden, ob die Regatta überhaupt und dann auch noch mit weniger Klassen stattfinden konnte. Kreuzlingen fiel schließlich ganz aus.

Aber nun zum eigentlichen Bericht über die Karl Gutmann-Regatta des KYC.

 

Anreise mit Tiefgang

Am Freitag brachten wir die Romja in den KYC. Die schmale Fahrrinne war vorbildlich mit Bojen markiert. Auf der Hafenmauer stand der Hafenmeister und wies uns persönlich und detailliert ein.

TOP-Service – herzlichen Dank!

Vier Schiffe hatten für die 45er gemeldet. Die Gaudeamus mit Christian Rau am Steuer musste leider kurzfristig absagen. Damit waren wir noch zu dritt.

Oder anders gesagt: Die Flotte hatte bereits am Freitag eine gewisse Überschaubarkeit erreicht.

 

Samstag: Wind von überall – hauptsächlich nicht von dort, wo er sollte

Für Samstag war Westwind angesagt. Der Bodensee hatte allerdings eine andere Meinung und schickte uns zunächst Ostwind.

Der angekündigte Westwind ließ sich Zeit und erschien erst am Nachmittag. Bis dahin durften sich die Teilnehmer mit Windgeschwindigkeiten zwischen 5 und 15 Knoten und mehreren Genuawechseln beschäftigen. Seglerisch durchaus anspruchsvoll – und eine hervorragende Gelegenheit, festzustellen, wie schnell man die Genua eigentlich wechseln kann, wenn man nur oft genug dazu gezwungen wird.

Zwei Wettfahrten konnten bei fairen und anspruchsvollen Bedingungen durchgeführt werden.

Beide gewann die Schnuppe. Wir wurden jeweils Zweite.

Der Pfeil hatte leider technische Probleme: Der Spibaum brach.

Damit war die 45er-Flotte endgültig auf zwei Schiffe geschrumpft.

Man hätte jetzt fast überlegen können, ob wir die nächste Wettfahrt gleich als Match Race ausschreiben.

Am Abend gab es zunächst ein verdientes Einlaufbier und später bei hervorragender Stimmung ein vorzügliches Abendessen. Seglerisch war der Tag also erfolgreich beendet – und kulinarisch sowieso.

 

Sonntag: Frühstück, Geduld und noch eine Wettfahrt

Am Sonntagmorgen konnten die Teilnehmer, die auf ihren Schiffen übernachtet hatten, ein hervorragendes Frühstück geniessen.

Vielen Dank, liebe Gastronomie!

Auch die Wettersituation erinnerte zunächst stark an den Vortag: Der Wind war löchrig und kam aus allen möglichen Richtungen. Vermutlich hatte er selbst noch nicht entschieden, wo er eigentlich hinwollte.

Die Wettfahrtleitung bewies jedoch Geduld und Weitsicht. Und tatsächlich: Gegen 13:00 Uhr setzte sich wieder der Westwind durch.

Die Geduld wurde belohnt. Es konnte noch eine faire und windtechnisch interessante Wettfahrt gestartet werden.

Dieses Mal hatten wir die Nase vorn und gewannen vor der Schnuppe.

Damit stand es am Ende also 1:2 aus unserer Sicht – und die Regatta war sportlich sauber über die Bühne gebracht.

Bild: Sieger Nachwuchscrew der Schnuppe

 

Und dann kam das Motorboot …

Kaum waren wir über die Ziellinie gesegelt, tauchte plötzlich ein großes Motorboot auf.

Nicht einfach irgendein Motorboot.

Ein Motorboot in hoher Geschwindigkeit und in Gleitfahrt, das offenbar beschlossen hatte, genau dort hinzufahren, wo wir gerade waren.

Direkt auf uns zu.

  • Wir riefen.
  • Wir schrien.
  • Wir winkten.
  • Wir versuchten also das komplette Repertoire menschlicher und seemännischer Kommunikation.

Leider ohne erkennbare Wirkung.

Das Motorboot reduzierte weder die Geschwindigkeit noch änderte es den Kurs. Eine Kollision mittschiffs schien plötzlich unvermeidbar.

Und dann wurde aus einer ganz normalen Regatta ein sehr spontaner Bodensee-Schwimmkurs.

Im allerletzten Augenblick sprang die komplette Besatzung der Romja achtern über Bord.

Als ich wieder auftauchte, bestand meine erste Handlung nicht darin, die Situation zu analysieren, sondern die wichtigste seemännische Frage zu klären:

Sind noch alle Köpfe da?

Ich zählte durch – und war erleichtert.

Alle Besatzungsmitglieder schwammen unversehrt im See.

Die Romja hingegen segelte inzwischen führerlos weiter. Glücklicherweise war die Schnuppe-Crew sofort zur Stelle und fing unser Schiff wieder ein.

Vielen Dank, liebe Schnuppe-Crew!

Laut Zeugenaussagen konnte der Schiffsführer des Motorbootes erst etwa einen Meter vor der Romja zum Stillstand kommen.

Das war dann doch etwas knapper, als man es sich bei einer Regatta normalerweise wünscht.

Erstaunlicherweise blieb auch die Romja unbeschädigt. Wir wurden anschließend von Motorbooten des KYC aufgenommen. Die Wasserschutzpolizei kam ebenfalls hinzu und dokumentierte den Vorfall.

Kurz gesagt: Wir hatten sehr viel Glück im Unglück.

Oder, etwas seglerischer formuliert: Die letzte Wettfahrt war deutlich spannender, als wir bestellt hatten.

 

Fazit: Ein zartes Pflänzchen mit Potenzial

Die sehr kompetente und umsichtige Wettfahrtleiterin Erika Beyerle und das gesamte KYC-Team haben uns hervorragend betreut. Die Regatten waren bestens organisiert und trotz der schwierigen Windverhältnisse konnte ein schönes und faires Programm durchgeführt werden.

Bei der Preisverteilung gab es schöne Preise.

Erika Beyerle sprach vom „zarten Pflänzchen der 45er“. Schließlich waren wir zum ersten Mal beim KYC dabei. Gleichzeitig äußerte sie den Wunsch, die 45er im kommenden Jahr mit etwas größerer Beteiligung wieder begrüßen zu dürfen.

Dem können wir uns nur anschließen.

Uns hat es beim KYC sehr gut gefallen.

Wir kommen gerne wieder.

Vielleicht dann mit etwas mehr 45ern.

Und ganz bestimmt mit der Hoffnung, dass der Wind mitspielt.

Ergebnisse: Link

Beim nächsten Mal würden wir außerdem gerne auf das Schwimmen nach dem Zieleinlauf verzichten.

Euer Claus Keferstein und die gesamte Romja Crew