Prinz-Ludwig-Preis 2026 BYC – Sommer, Silber und Sieben Wettfahrten für die Seele

55 Segler hatten sich in Elf Schiffen Mitte Juli zum Prinz-Ludwig-Preis im Bayerischen Yachtclub angemeldet. Eigentlich erstaunlich. Denn wer die Veranstaltung kennt, weiß: Man fährt nicht nur wegen der Regatta nach Starnberg. Man kommt wegen des Gesamtpakets.

Unterstützt wurde die bayerische Flotte diesmal von der ARGO vom Bodensee. Allein der Transport eines 45ers quer durchs Land verdient Respekt und zeigt, wie attraktiv sich diese Veranstaltung inzwischen entwickelt hat. Der Wanderpreis blieb am Ende allerdings trotzdem in Bayern. Irgendwie müssen sich die anderen Langkieler auf dem Weg in den BYC verfahren haben. 😉

Die Wettervorhersage versprach zunächst alles, was das Seglerherz begehrt: strahlender Sonnenschein, Temperaturen jenseits der 30 Grad, Badewannentemperaturen im See und … Wind? Nun ja, darüber wollte sich der Wetterbericht zunächst noch nicht festlegen.

Bevor es losgeht, noch eine kurze Erklärung, warum ausgerechnet wir diesen Bericht schreiben. Auch diese Saison lost der 45er-Bayern-Vertreter Michi Geißler bei jeder Steuermannsbesprechung den offiziellen Berichterstatter aus. Dieses Mal fiel das Los auf die P241. Wer am Ende ganz vorne segelt, landet also nicht nur auf dem Stockerl, sondern manchmal auch an der Tastatur.

Freitag – Warten lohnt sich

Der Freitag begann herrlich entspannt. Schiffe in den Hafen verbringen, alles ausräumen, was man garantiert nicht braucht, Kühlschrank auffüllen und anschließend kontrollieren, ob Badehose, Sonnencreme, Kappe und genügend Flüssigkeit an Bord sind. Die Prioritäten waren also richtig gesetzt.

Langsam füllte sich die Terrasse des BYC. Fachgespräche wurden geführt, Windprognosen interpretiert und selbstverständlich wusste jeder bereits vor dem ersten Start ganz genau, wo am Nachmittag der beste Wind stehen würde.

Punkt 14 Uhr dann die erste Ansage des Wettfahrtleiters: Wir Warten.

Während einige ihren Flüssigkeitshaushalt vorbildlich mit Wasser stabil hielten, sah man an anderen Tischen deutlich mehr Rosé- als Wasserflaschen. Ob das später Auswirkungen auf die Taktik hatte, ließ sich nicht eindeutig nachweisen.

Erst gegen 16 Uhr schickte Wettfahrtleiter Eberhard Fischer-Brandies die Flotte schließlich auf den Kurs.

Der Race Course war erfreulich schnell aufgebaut – bei einer Windstärke musste man schließlich keine Weltreise um die Tonnen veranstalten. Überraschenderweise hielt der leichte Ostwind aber erstaunlich konstant durch und schenkte uns drei schöne Sprintwettfahrten.

Für uns begann das Wochenende jedenfalls optimal. Irgendwie fanden wir an diesem Nachmittag immer wieder den richtigen Weg über den Kurs. Ob links, rechts oder mittendrin – die P241 war mega schnell und meist dort zu finden, wo man am liebsten segelt: vorne.

Woran es lag?

Vielleicht doch am Inhalt des Bio-Kühlschranks …

Ganz los wurden wir unsere Verfolger allerdings nie. Andi Aigner, Florian Fendt und Niko Stoll hielten den Druck permanent hoch. Jeder kleine Windhauch wurde genutzt, jeder Dreher analysiert und jede Bootslänge hart erarbeitet.

Nach drei Wettfahrten durfte man durchaus überrascht sein, dass dieses Ost- Lüftchen tatsächlich den ganzen Nachmittag durchgehalten hatte.

Bayerische Gastfreundschaft vom Feinsten

Zurück im Hafen zündete Cristian die erste von mehreren Event-Raketen.

Bayrische Brotzeit.

Frisches Fassbier.

Blasmusik.

Seglerherz – was willst du mehr?

Wer glaubte, das sei bereits der Höhepunkt gewesen, wurde nach Einbruch der Dunkelheit eines Besseren belehrt. Ein beeindruckendes Feuerwerk verwandelte den Starnberger See in eine traumhafte Sommerkulisse.

Andere Vereine veranstalten Regatten. Der Bayerische Yachtclub veranstaltet Sommerfeste mit angeschlossener Wettfahrt.

 

Samstag – Baden statt Segeln

Die Auslaufbereitschaft war für 11 Uhr angesetzt.

Der Wind hatte davon allerdings nichts mitbekommen.

Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel und erstickte bereits die kleinsten Windansätze im Keim. Die Fahnen hingen bewegungslos herunter, der See entwickelte sich zur größten Badewanne Oberbayerns und das Clubgelände verwandelte sich in eine Mischung aus Rosègarten, Strandbad und Wellness-Oase.

Der Wirt dürfte mit diesem Segeltag hochzufrieden gewesen sein.

Gesegelt wurde praktisch nicht.

Gebadet umso mehr.

Galaabend deluxe

Am späten Nachmittag dann die erlösende Nachricht: Ende der Startbereitschaft.

Jetzt begann Teil zwei des Wochenendes. Aufbrezeln war angesagt.

Die Terrasse war festlich geschmückt, Charly Glass hämmerte sein Keyboard zusammen zwei Mitgliedern der Spider Murphy Gang, Sängerin und Gitarristen und das Casinoteam zauberte ein Drei-Gänge-Menü auf den Tisch, das dem sportlichen Teil des Wochenendes in nichts nachstand.

Mit einem Glas Champagner in der Hand, Livemusik im Hintergrund und bester Gesellschaft ließ sich dieser Sommerabend nur schwer toppen.

Die letzten Gäste verließen die Terrasse erst im Morgengrauen.

Man munkelt, einige hätten auf dem Rückweg zum Schiff bereits den Sonnenaufgang bewundert, bevor sie sich noch eine Mütze Schlaf gönnten.

Sonntag – Jetzt wurde gearbeitet

Der Sonntag zeigte schließlich das zweite Gesicht des Starnberger Sees.

Statt Flaute schickte der Wettergott nun einen kräftigen, böigen Westwind über den See.

Die leichte Wäsche verschwand blitzartig unter Deck, Ölzeug und Trapez… nein, letzteres brauchen wir zum Glück nicht… dafür aber jede Menge Konzentration.

Schon auf dem Weg zum Startgebiet sorgten kräftige Duschen übers Vorschiff für die erste unfreiwillige Abkühlung.

Vier Sprintwettfahrten standen auf dem Programm.

Jetzt wurde es richtig sportlich.

Enge Starts, intensive Zweikämpfe, Berührungen, Proteste, Diskussionen und jede Menge Arbeit auf allen Schiffen. Während sich die Vorschiffscrews die Seele aus dem Leib kurbelten, mussten die Taktiker gleichzeitig Konkurrenz, Winddreher, Böen und Gate-Tonnen im Blick behalten.

Für uns lief es auch an diesem Tag erfreulich gut. Aber einfach war es keineswegs. Mal lagen wir nach dem Start vorne, mal mussten wir uns erst wieder nach vorne arbeiten. Die Konkurrenz schenkte uns keinen Meter.

Vor allem Andi Aigner, Florian Fendt und Hans Spitzauer lieferten sich mit uns und untereinander bis zur letzten Wettfahrt einen großartigen Kampf um die Podestplätze. Genau solche Rennen machen unseren Sport aus.

Der Wind ließ im Laufe des Tages zwar etwas nach.

Die Kräfte der Vorschiffselche allerdings ebenfalls.

Die Erleichterung nach der letzten Zieldurchfahrt war deshalb allen deutlich anzusehen.

Und dann kam die Jury…

Zurück im Hafen hieß es zunächst Schiffe versorgen, Segel verstauen und endlich durchatmen.

Währenddessen durfte die Jury noch einmal Höchstleistungen vollbringen. Zwei Protestverhandlungen sorgten für reichlich Gesprächsstoff und beschäftigten alle Beteiligten noch über eine Stunde.

Erst danach standen die endgültigen Ergebnisse fest.

Endergebnis

🥇 P241 – Markus Glas Pillip Ocker · Florian Grosser · Gunter Ernst · Ina Ernicke

🥈 P247 – Andreas Aigner · Frank Weigelt · Benedikt Binder · Sebastian Graba · Hanno Schellenberg

🥉 P243 – Florian Fendt · Manuel Hauptmann · Wolf Dietz · Christof Wieland · Henry Plettner · Benedikt Horber

Wir haben uns natürlich riesig gefreut, den Prinz-Ludwig-Preis erneut mit nach Hause nehmen zu dürfen. Der Wanderpreis mit seinen charakteristischen 45 Edelsteinen bringt geschätzt fünf Kilogramm Silber auf die Waage – gefühlt wird er allerdings jedes Jahr etwas schwerer.

Dass wir am Ende ganz oben standen, war alles andere als selbstverständlich. Die Leistungsdichte in der Klasse wächst stetig und jeder Fehler wird inzwischen sofort bestraft. Genau das macht den Reiz unserer Regatten aus.

Der Preis für den besten Langkieler blieb diesmal leider im Schrank. Dafür hätten mindestens drei Schiffe gemeldet sein müssen. Schade, Philipp – nächstes Jahr klappt’s bestimmt.

Fazit

Der Prinz-Ludwig-Preis 2026 hat einmal mehr gezeigt, warum diese Veranstaltung für viele 45er längst ein fester Termin im Kalender geworden ist.

  • Perfekte Wettfahrtleitung
  • Herzliche Gastfreundschaft
  • Großartige Küche
  • Livemusik
  • Feuerwerk
  • Sommerfeeling
  • und sieben abwechslungsreiche Wettfahrten zwischen Badewanne und Ballermann

Unser besonderer Dank gilt Cristian und dem gesamten Team des Bayerischen Yachtclubs. Ihr habt einmal mehr bewiesen, dass eine Regatta weit mehr sein kann als nur 7 Wettfahrten.

Bei der Verabschiedung sagte Cristian: „Ich freue mich, euch alle nächstes Jahr wieder begrüßen zu dürfen.“

Aus der Runde kam darauf nur eine trockene Antwort: „Ich befürchte, dass alle wiederkommen.“

Und ganz ehrlich? Wir gehören definitiv dazu.

Euer Burle Glas und Team

Download: Ergebnisliste

Fotos: Leopold Ludwig / LudwigPhotographics und privat

hsc